Die Pferdewaage

Nach dem ewigen „Hmm, ist er nun so gut oder nicht“, hatte ich ja mittlerweile auch das beruhigende Urteil beider TAs das er allenfalls noch Muskeln zunehmen sollte, aber nicht einfach nur Substanz.  Eine der Beiden kennt ihn schon seit ich ihn habe, die andere sah ihn zum ersten Mal. 

Nun war gestern die Pferdewaage da- also die perfekte Gelegenheit um den Ist-Zustand genau abzulesen.  Das Maßband sagte 350kg (womit ich schon zufrieden gewesen wäre), aber man muss da ja eigentlich noch ca. 15kg bei ihm aufrechnen, hatte ich ja mal ermittelt. Und die Waage brachte dann auch genau das Resultat: 367kg – Idealgewicht für den momentanen untrainierten Zustand. 

Gladur mit seinem Eimer

Und wenn man sich die anderen Wiegedaten mal anguckt, leider hatte ich nicht jedes Jahr die Möglichkeit zum Wiegen, dann ist er wirklich sehr konstant gewesen. Wobei das fette 2019/2020 sicherlich ein spannender Ausreißer gewesen wäre. 

Wiegepass

2015 – 365kg (untrainiert)
2017 – 376kg
2021 – 372kg
2023 – 367kg (untrainiert)

Jetzt haben wir es also geschafft von ca. 325kg, nach dem Winter mit dem blöden Heu, wieder auf Normalgewicht zu kommen. Jetzt kommt die spannende Frage wieviel Zusatzfutter er braucht, um dieses Gewicht nun zu halten. Ich werde also noch ne Weile nachmessen müssen, denn er soll jetzt ja über den Winter nicht unter Fell und Decke geschickt verborgen ordentlich zulegen. 

Und ich hoffe, das wir zügig auch das kaputte Bein wieder in Gange bekommen, denn Spazierengehen wäre wirklich mal wieder nett, auch für seinen Kopf. Sowie es aussieht hatte er ja nicht nur einen Spatschub, sondern hat sich hinten Rechts auch mal wieder was demoliert. 

Gladur, Beluga und Kor
Bis dahin hängt Team Oreo gemütlich zusammen ab

Mondphasen *g*

Mondphasen Gladur

Über die Jahre hat Glaður ein paar interessante Verwandlungen durchgemacht, die durch Fütterung und Training kaum zu beeinflussen waren.

Als ich ihn kennenlernte war er zu fett- und das blieb er auch, egal wieviel er getan hat, bis zum Beginn seiner Cushing-Behandlung. Mit der Einnahme vom Pergolid schwand offensichtlich etwas der Appetit und die Tendenz zu Binge-Eating am Heu nahm ab. Gleichzeitig wurde ja auch älter… Lange Rede, kurzer Sinn, das Pony näherte sich seinem Idealgewicht an. 

Dann kam die lange Trainingspause wegen des Fesselträgers, gleich im Anschluss die Zahn-Ops und die Heilungsphase. Die Muskeln waren schon weg, die Heilung zehrte und dann gabs ausgerechnet in dem Winter auch noch so schlechtes Heu, das die Senioren alle klapprig wurden und sogar die beiden Curvy Pferde eher Richtung Normalgewicht tendierten. 

Glaður weigerte sich wie immer beharrlich ausreichende Mengen Zufutter aus dem Eimer aufzunehmen, immerhin KANN er ja noch Heu fressen. Somit gabs ein ganz knappes Verhindern weiterer Abnahme über den Winter und gerade noch rechtzeitig die Reißleine in Form von etwas besserem Heu. 

Trotzdem war er dünn wie nie und ich habe noch nie so früh angeweidet wie dieses Jahr- Risiko, aber hat sich gelohnt, das Gras half definitiv den Push in die richtige Richtung zugeben. 

Das Weitere tat die Möglichkeit 24/7 genießbares Heu in Ruhe zu fressen- seitdem gings steil bergauf, nicht mal der Umzug hat zu dem von mir befürchteten Gewichtsverlust geführt. Er blieb zum Glück aus.  Im Moment habe ich das Zufüttern eingestellt, werde aber zum Herbst rechtzeitig wieder damit anfangen.

Gladur grasend vor dem Paddock 

Blast from the past und Resümee aus einem Jahr unter Pergolid

Manchmal sind ja solche Vergleiche ganz lustig. Zum Beispiel aktuell, wo das Problem besteht, das das Pony auf den Rippen zu wenig hat, aber gleichzeitig die unguten Pölsterchen nicht anwachsen dürfen. Da ich ihn noch nicht voll belasten kann (dann würde sich das bei Arbeit und entsprechend Futter selbst erledigen) muss ich da nun vorsichtig bißchen mehr Futter ins Pony bringen. 

Und dabei habe ich dann in alten Ordnern geblättert- wie sah er denn sonst so im Winter aus, als er noch kugelrund war. Dabei sind mir jetzt diese beiden Bilder in die Hände gefallen. 

März 2016

Gladur auf den Elbwiiesen
Ja, das ist mitten im Fellwechsel, aber schreit das Fell nicht geradezu „Cushing“, was man da sieht?

2016 ist dann auch das Jahr gewesen, wo ihn die Atemwegsseuche erwischt hat, mit den Anderen zusammen. Und wo wir dann mit dem Infekt und dem Stoffwechsel gekämpft haben wie doof, um eine Basis zu schaffen, auf der man der Atemwegserkrankung halbwegs Herr werden konnte. 

Wie man unten sehen kann, ist das auch so semi gelungen- das Fell ist viiiiel besser (obwohl zeitlich fast gleich). Allerdings ist es immer noch zu lang. Und kann auch nicht darüber hinwegtäuschen, das das Pony ganz schön arg gut im Futter steht. 🙊🙈

Feb 2017

Dicker Plüschgladur
Also das ist schon stattlich, das ist nicht nur Fell- und das mitten im Winter.

Damals warfen einige in den Raum das er bestimmt an KPU leidet. Also wenn ich mir jetzt die Bilder nochmal angucke, mit dem Wissen von heute, dann hätte ich eher gesagt, das er EMS hat. (Das ist ja zum Glück mittlerweise per Test ausgeschlossen) (Die Erklärungen sind bei Dr. Weyrauch recht deutlich, daher dorthin verlinkt)

Man sieht, das man im Anfangsstadium mit gezielter Unterstützung des Stoffwechsels noch lange, lange etwas gegenan kämpfen kann. Man hat dann ein scheinbar gesundes Pferd mit keinen oder geringen Symptomen- allerdings ist das ganze sehr fragil und beim kleinsten Problem fällt alles wie ein Kartenhaus zusammen. Rückfälle mit Erkrankungen, entgleisende Stoffwechselwerte usw. 

Ich hätte immer geschworen, das es ihm mit der vielen Hilfe nicht schlecht ging und das war möglicherweise auch so. Aber nun, nach einem Jahr mit Pergolid, in dem ich sehe um wieviel es ihm BESSER geht, obwohl das Medikament ja nicht harmlos ist, da denke ich schon, hätte ich mal früher schon testen lassen und somit die Therapie eher begonnen. 

Dinge die sich für ihn deutlich gebessert haben:

  • Das Fell wird besser- keine Mammutzotteln und verfilzte Unterwolle mehr
  • Seine Atemwegserkrankung ist so stabil wie noch nie. Selbst in dieser langen Stehphase ist er (mit entsprechend Unterstützung durch Inhalieren und Kräuterkuren) nicht vollgelaufen oder dramatisch eingeschränkt
  • Die „Hengstigkeit“ hat sich sehr gebessert, anscheinend ist kein großes Hormonchaos mehr im Pferd vorhanden. Das was jetzt noch da ist, wird auch so immer bleiben.
  • Mehr innere Ruhe und die Bereitschaft in der Arbeit Fehler zu verzeihen, statt überzureagieren
  • Noch mehr Leistungsbereitschaft
  • Sichtbar mehr Lebensqualität

Was sich bisher nicht gebessert hat:

  • die empfindlichen Augen, die zu Tränen, leichten Reizungen und etwas „Matsch“ (ohne Entzündung!!) neigen
  • das schwache Bindegewebe (anfällige Sehnen, hängender Rücken)

Mal sehen, ob sich da noch was tut. Aber die Hauptsache ist ja, wie er sich fühlt und da kann man einfach mal sagen: GUT!

Gladur präsentiert sich auf der Koppel
Oktober 2021

Und natürlich- Futter und Figur

… vom Nichtarbeiten ist Glaður ein kleines bißchen speckig geworden. Lustigerweise rippig in der Mitte, aber Polster bilden sich wieder, wo man sie nicht haben will. Das liegt natürlich am Bewegungsmangel. Der Stoffwechsel braucht Bewegung um optimal zu funktionieren. Aber meinetwegen darf gerne an der Stelle was haken, solange die Lunge weiter so gut mitmacht. 

Solange Glaður noch nicht wieder arbeiten kann, werden wir nun also erstmal verhindern das es mehr wird und den Zustand halten. Dies geht unter Anderem mit der Fressbremse, mit der er auf der Weide langsamer essen muss:

Mit Fressbremse

Und mit seiner Mäkeligkeit am Napf hilft er auch gerade selber mit- da er alle Futtermittel dumm findet, bekommt er auch nichts mehr. Außer einer Karotte oder einem Apfel – und auch die frisst er Abends nicht immer. Um so besser. *g*

Tatsächlich ernährt er sich damit nur von Heu/Heulage und Gras und alle paar Tage etwas Mineralfutter aus der Hand. Zurück zur Natur quasi. 

 

Und sonst so?

Anfang Februar war wieder Blutkontrolle. Dabei haben wir das große Blutbild wiederholt, um zu gucken, was sich da tut und natürlich den ACTH-Wert überprüft.

Der ACTH ist nun der Wert eines gesunden Pferdes und ganz sicher mitten im Referenzbereich. Und im Blutbild sieht man, das sich die anderen Werte auch erholen. Die Leberwerte, die aus der Referenz waren, sind nun immer noch hoch, aber immerhin im Referenzbereich. Und auch die Triglyzeride und der Eisenwert fallen.

Wir sind also auf dem richtigen Weg und setzen jetzt nochmal die Leberkur fort, um die Werte noch weiter richtig normal zu bekommen.

Gewichtsmäßig hat er sich auch eingependelt und ist auf dem Maßband weiter bei 356 kg stehen geblieben, was möglicherweise sowas wie sein Wohlfühlgewicht ist. 😏 Meinetwegen kann es auch gern so bleiben, sofern die Fettpolster nicht wiederkommen, sondern die Muskeln ein bißchen zulegen.

Ausgehend vom Blutbild wollte ich ihm gern Zink zufüttern, aber Zink ist ja immer das absolut Böse in der Schüssel. Da er ja schon sein Mineral verweigerte UND an seinem Futter rummäkelte, obwohl da Getreide drin war, standen die Chancen da nicht so gut.
Nach etwas Haare raufen dann mal das Denken in eine andere Richtung – wenn er sich halt weigert das Mineral lose zu fressen, dann gucken wir dochmal bei den sonst vermiedenen mineralisierten Futtern, so kriegt man dann durch die Hintertür doch noch ETWAS an Mineral ins Pferd. Nun bekommt Beluga zum Beispiel ein Futter, was getreidefrei, zucker- und stärkereduziert ist und was er bisher immer gern genommen hat- sogar eingeweicht. Auch kommen die zugesetzten Mineralstoffe vom Verhältnis her einigermaßen mit dem Blutbild hin. Das Futter habe ich jetzt eine Woche angefüttert und er wills immer noch unbedingt haben. Somit hole ich ihm nun morgen seinen eigenen Futtersack davon und hoffe, das er es nicht nur weiterhin futtert, sondern ich es auch noch schaffe den Rest an Mineral, der noch dazu muss, auszugleichen, erste Tests es unterzumischen waren erfolgreich.

Bin gespannt, Daumen drücken. 😂

English Summary: follows

Pferde-Wörterbuch

Thema heute? Futter – in Gladurs kleiner Welt.

Schwerfuttrig

Wenn die Menschen Dir irgendso ein Ökozeug hinstellen, das riecht wie normales Heu und behaupten, das wäre gut für Dich. Das ist der Moment wo Du ein paar Mal aus Höflichkeit frisst, aber dann wirklich deutlich machst, was Du von dieser bekloppten Idee hälst. Du bist ein Wikingerpony- Du willst KRAFT-Futter oder Du kannst gerne verzichten und in den Streik gehen. Sollen sie sich doch die Haare raufen, du weißt, das Du am längeren Hebel sitzt- früher oder später werden sie zähneknirschend Etwas bringen, was schmeckt. Denn immerhin wollen sie ja, das Du den ganzen unnötigen Kram frisst, von dem sie glauben, das sie den im Futter verstecken würden…hah.

Verunreinigung

Das menschliche Synonym für Verunreinigung lautet „Futterzusatz“. Nun gibt es so ein ganz paar davon, die tatsächlich schmecken, aber die meisten davon sind nicht nur überflüssig, sondern auch wirklich ekelhalft.
Zink zum Beispiel. Zink ist der Endgegner unter den Zusätzen.
Wir Pferde können ausgezeichnet riechen- somit ist es sehr amüsant, wenn ihr meint, ihr könntet irgendwas von dem Zusatzkram in unserem Futter „verstecken“.

böser Vergiftungsversuch

Ein böser Vergiftungsversuch ist die besonders trickreiche Zwangsverabreichung von angeblich notwendiger Medizin oder komischer Futterverunreinigungen.
Wenn der Hauptmensch nicht komplett blöd ist, wird er mit immer neuen Tricks versuchen die komischen Sachen in Dich hineinzuschmuggeln. Somit sei wachsam, wenn Du zu komischen Uhrzeiten plötzlich was super Leckeres angeboten bekommst, was Du sonst nicht bekommst. Auch wenn die anderen Pferde davon essen heißt das gar nichts- es ist ein TRICK!

verdächtige Nahrungsmittel

Obst und Gemüse, in die man Löcher bohren kann- da immer aufpassen. Und alles was stark riecht und Dich ablenken soll. Immer ganz lange schnuppern und dabei auf die Reaktion des Menschen achten- ist der gespannt, dann ist garantiert was nicht normal mit dem Futter. Ist der Mensch gleichgültig egal was für einen Aufstand du betreibst, dann kannst Du mal vorsichtig davon essen.

English Summary: follows